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Stralsund und Binz auf Rügen, ein Reisebericht – Teil 3

Obwohl es schon 16 Uhr war, wollte ich nun doch noch Binz sehen, also fuhr ich mit dem Bus zum Bahnhof und nahm von dort aus einen weiteren Bus nach Binz. Das war mit meinem Bernsteinticket ja abgegolten. Zu meiner Freude kommt man dabei an Prora vorbei. Viele von euch haben sicher schon davon gehört, man hatte damals im Nationalsozialismus Pläne, 20.000 Bürger zur Erholung an die Ostsee zu schicken. Um das zu bewerkstelligen, baute man über vier Kilometer entlang der Küste entlang völlig identisch aussehende Plattenbauten. Die verschandeln dort auch heute noch das Bild, liegen aber wirklich schön am weißen Sandstrand hinter Kieferwäldchen.

Ein Ferienhaus mit dem Namen Wasserhuhn
Ein Ferienhaus mit dem Namen Wasserhuhn

Nach der Wende war dort zeitweise die Bundeswehr einquartiert, davon zeugen wohl noch die Schranken am Zugang zu den Bauten. Heute ist das Gebiet wieder frei zugänglich und die unterschiedlichen Abschnitte werden von verschiedenen Betreibern genutzt. Ein sehr lesenswerter Artikel befindet sich in der Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Seebad_Prora

Vom Bus aus sah man nicht viel davon, immer nur in regelmäßigen Abständen die Zufahrtsstraßen und dann Ausschnitte der Gebäude. In Binz angekommen, wollte ich mir nur schnell einen allgemeinen Überblick verschaffen, aber schon mein einstündiger Kurzausflug machte mir klar, dass man diesen schönen Badeort nicht mit Sassnitz vergleichen kann. Fast alles ist renoviert und die blütenweiße Bäderarchitektur ist sehr sehenswert. Natürlich macht auch der schöne Sandstrand etwas her und verbreitet gleich viel mehr Ferienflair als der steinige schmale Strand von Sassnitz.

Nun war ich müde und wollte heim. Kein Problem, denn Binz und Sassnitz wechseln sich stündlich mit Zügen ab, die durchgängig nach Stralsund fahren. Der Zug aus dem jeweils anderen Ort hält zeitig vorher in Lietzow, so dass man umsteigen kann und so in jedem Fall eine Verbindung nach Stralsund hat.

Weitere Artikel über Stralsund:
Die anderen Artikel über Stralsund:
Stralsund, ein Reisebericht – Teil 1
Stralsund und Sassnitz auf Rügen, ein Reisebericht – Teil 2
Stralsund und das Ozeaneum, ein Reisebericht – Teil 4
Ferienwohnungen in Stralsund

Stralsund und Sassnitz auf Rügen, ein Reisebericht – Teil 2

Den ersten vollen Tag meiner Stralsundreise verbrachte ich im Zoo, der durchaus eine Reise wert ist. Einen ausführlichen Bericht darüber habe ich im ZooBlog geschrieben:
http://zoo.blog-haus.net/2010/04/der-zoo-in-stralsund/

Zwei Hotels unterschiedlicher Bauweise in Sassnitz
Zwei Hotels unterschiedlicher Bauweise in Sassnitz

Da das Wetter so schön war, beschloss ich am dritten Tag, Rügen zu besuchen. An allen Automaten ist das Bernsteinticket erhältlich, das entweder für die Region Nordvorpommern gilt oder für Stralsund und Rügen – damit dürfen einen Tag lang alle Verkehrsmittel benutzt werden und es kostet nur 14 EUR. Da eine einfache Fahrt Stralsund – Sassnitz regulär bereits etwa 10 EUR kostet, lohnt sich das Bernsteinticket in jedem Fall. Die Fahrt nach Rügen führt über die kleine Insel Bornholm, die noch zu Stralsund gehört und dann direkt auf die berühmte Ostseeinsel. Da der Zug außerhalb der Orte hält, z. B. Altefähr (auf das Örtchen schaut man von Stralsund aus) oder der Hauptstadt Bergen, bekommt man keinen rechten Eindruck von ihnen.

Die Landschaft war sonst zu dieser Jahreszeit recht karg, das wird jetzt, eine Woche später, schon ganz anders aussehen. Nach einer knappen Stunde Fahrt erreichte ich Sassnitz. Die Außenbereiche werden von Plattenbauten dominiert, die ich auf Rügen nicht erwartet hätte. Vom Bahnhof aus kann man auf der Hauptstraße ins Zentrum gehen und kommt dabei an sehr unterschiedlichen Gebäuden vorbei. Alte und regelrecht vergammelte Gebäude, schöne Häuser oder merkwürdige Hochhäuser.

Der Fürstenhof in Sassnitz
Der Fürstenhof in Sassnitz

Ehe ich zum Meer hinunterging besuchte ich noch den kleinen Tierpark, der allerdings mit seinen 3,50 EUR nicht nur völlig überteuert war, sondern auch viele Tiere unter kläglichen Bedingungen hielt. Käfige alter Schule herrschen vor und von artgerechter Haltung kann keine Rede sein. Die Wölfe “gammeln” in einem winzigen Gehege vor sich hin, Waschbären haben kaum Platz, sich zu rühren und ganz erbärmlich sehen die Kapuzineräffchen aus, von denen eines auf dem Rücken ganz kahl ist. Das muss nichts mit schlechter Haltung zu tun haben, ist aber in diesem Kontext anzunehmen.

Nach einem schnellen Rundgang verließ ich den Tierpark und wanderte bald zum Meer hinunter. Die kleinen Straßen sind nett, aber nicht besonders spannend. Einige größere Hotels mit der typischen Bäderarchitektur fallen auf, aber insgesamt ist Sassnitz nicht besonders schön, fand ich. Ich spazierte an der Küste entlang, Richtung Norden, wo viele Menschen am steinigen Strand unterwegs waren und nach unten schauten, vermutlich waren sie auf der Suche nach Bernstein. Nachdem der gepflasterte Weg endet, sieht man die erste Klippe, die nach Kreidefelsen aussieht – keine Ahnung ob das hier schon beginnt. Wer diese Attraktion Rügens sehen will, fährt mit dem Bus zum Naturzentrum Königsstuhl und wandert dort oder macht von Binz oder Rügen aus eine Tour mit dem Schiffchen.

Apropos Schiffchen, mein Weg führte mich anschließend Richtung Hafen. Unterwegs machte ich Halt in einem Café direkt an der Promenade und aß ein Stückchen Bernsteintorte. Die gibt es hier überall und sie ist nicht etwa, wie mein Freund vermutete, alt und hart und mit Fliegen verziert! Es ist vielmehr eine luftige cremige Kreation mit Mandel und Karamell! 🙂

Der Hafen selbst ist sehenswert. Ganz am Ende liegt ein U-Boot vor Anker, das als Museum zu besichtigen ist. Sonst kann man vor hier aus zu diversen Rundfahrten und Ausflügen starten, Hochseefischen wird angeboten und es gibt einiges zu essen; in Cafés, Restaurants, Gaststätten auf Schiffen und in Form von Fischbrötchen. Geräucherter Heilbutt ist nicht ganz mager, aber sehr lecker, weiß ich nun zu berichten.

Hier einige Impressionen von diesem Teil meines Ausfluges, mit Binz geht es dann demnächst weiter:

Stralsund, ein Reisebericht – Teil 1

Blick auf die Nikolaikirche in Stralsund
Blick auf die Nikolaikirche in Stralsund

Ich bin durch eine Sendung des WDR-Fernsehens auf Stralsund aufmerksam geworden; Wunderschön heißt sie und ist sehr einfach und sehr nett gemacht. Zumindest glaube ich, dass es diese Sendung war. Jedenfalls konnte ich nicht wegschalten und war ganz fasziniert von dem, was ich da sah: Viel Wasser überall, herrliche alte Gebäude, das beeindruckende Ozeaneum und Meeresmuseum, ruhige Rückzugsorte und munteres Treiben im Stadtkern.

Dank eines Osterangebots der Deutschen Bahn, das eine Fahrt innerhalb Deutschlands für 22 EUR anbot, konnte ich mir die Reise schon kurze Zeit später leisten. Am 13. April 2010 ging es los und zwar früh um 7:10 Uhr mit einem durchgehenden Intercity. Die sieben Stunden Fahrt wurden mir nicht lang – ich gucke gern aus dem Fenster, hörte ein Hörbuch und hatte viel Platz im Abteil.

Besonders die Fahr durch Mecklenburg-Vorpommern interessierte mich. Die Landschaft war etwas karg, hier ist der Frühling später dran, als bei uns in Köln. Ockertöne herrschen vor und die meisten Bäume sind noch nicht oder gerade erst aus dem Winterschlaf erwacht. Aber viel Wasser gibt es hier, große und kleine Seen überall.

In diesem Haus ist meine Ferienwohnung
In diesem Haus ist meine Ferienwohnung

Am Bahnhof angekommen erstand ich einen Stadtplan und eine Wochenkarte für das Busnetz (mit 12 EUR muss ich mich meinen ganzen Aufenthalt lang um nichts sorgen) und zuckelte wenig später mit dem Bus der Linie 3 Richtung Knieperdamm. Hier habe ich eine kleine Ferienwohnung in einem entzückenden Fachwerkhäuschen, das von der Familie Langner liebevoll restauriert wurde – ganz nach altem Vorbild. Es handelt sich um ein Ackerbürgerhaus – so nannte man die Häuser von Bauern, die selbst innerhalb der Stadtmauern lebten. Der alte Dielenfußboden, die Fensterchen, die steile Treppe, die Lehmwände – alles ist noch so wie früher und doch ganz neu gemacht, so befindet sich hinter den zugigen Außenfenstern noch ein weiteres modernes doppelverglastes, alles ist frisch gestrichen und das Bad ganz modern eingerichtet.

Dass das Haus direkt am viel befahrenen Knieperdamm liegt, stört mich wenig – nach hinten heraus habe ich zwar keine “Sichtfenster”, aber zwei Fenster oben im Dach, die ich öffnen kann und hier höre ich den Gesang vieler kleiner Vögelchen, die im historischen Friedhofspark hinter dem Haus leben. Außerdem hat die zentrale Lage ihr Gutes, zwei Supermärkte liegen in 50 Meter Entfernung, ebenso wie Bushaltestellen, von denen aus man fast überall hinfahren kann.

Das Innere des Rathauses
Das Innere des Rathauses

Nur schnell ausgepackt und schon war ich wieder unterwegs, um Stralsund zu erkunden. Meine Ferienwohnung liegt nur etwa 500 Meter von der Ostsee entfernt, die hier Strelasund heißt, denn man schaut gar nicht aufs offene Meer, sondern nur auf das bisschen Wasser zwischen Stralsund und Rügen. Zwischen wunderschönen alten Villen hindurch spazierte ich Richtung Meer und erreichte es auch bald. Mit Blick auf die Nikolaikirche näherte ich mich der Stadt. Im alten Stadtkern angekommen war ich fasziniert – so viele herrliche alte Häuser, wunderschön restauriert – und dazwischen immer wieder Baustellen, leere Baugrundstücke und hier und da eine Ruine. Am Hafen wird kräftig gebaut, damit es im Sommer richtig schön ist. Kreuz und quer streifte ich durch die Stadt und kam aus dem Staunen und Fotografieren gar nicht mehr heraus. Am Alten Markt stehen Giebelhäuser, fast wie in Münster oder Lübeck, aber auch die Backsteinbauten und natürlich die Nikolaikirche und das Rathaus mit seiner Prachtfassade, die viel höher ist als das eigentliche Haus. Ein Durchgang wurde neu gestaltet – Altes, mit Modernem gemischt, sehr geschmackvoll. Nun gelangt man zur Fußgängerzone mit allen Geschäften, die man so braucht – untergebracht in zauberhaft restaurierten alten Gebäuden in allen Farben: Blau, Gelb, Rosa, Terracotta und Weiß, immer wieder Weiß. Die neu gebauten Häuser fügen sich wunderbar ins Stadtbild ein.

Der Alte Markt
Der Alte Markt

Mit einem Besuch im Heiliggeistkloster soll dieser Teil des Reiseberichts enden. Am Hafen, ganz am Rand des Stadtkerns liegt es und besteht aus vielen kleinen Fachwerkhäuschen sowie einer alten kleinen Kirche. Es war einmal das Spital und bot Alten und Kranken einen Zufluchtsort. In seiner heutigen Form wurde es Anfang des 14. Jahrhunderts angelegt. Es gibt noch zwei weitere Klöster im Innenstadtbereich.

Die anderen Artikel über Stralsund:
Stralsund und Sassnitz auf Rügen, ein Reisebericht – Teil 2
Stralsund und Binz auf Rügen, ein Reisebericht – Teil 3
Stralsund und das Ozeaneum, ein Reisebericht – Teil 4
Ferienwohnungen in Stralsund